Momentaufnahmen

„Sie hat gefragt: Sheriff, wieso haben Sie die Kriminalität in Ihrem County so außer Kontrolle geraten lassen? Hörte sich eigentlich nach einer fairen Frage an. Vielleicht war’s ja eine. Jedenfalls hab ich ihr gesagt: Es fängt damit an, dass man schlechte Manieren übersieht. Jedes Mal, wenn Sie kein Sir oder Ma’am mehr hören, ist das Ende so ziemlich in Sicht. Das reicht in alle Schichten hinein, hab ich gesagt. Davon haben Sie ja wohl schon gehört, oder? Alle Schichten? Und irgendwann geht die (…) Moral derart vor die Hunde, dass draußen in der Wüste Leute tot in ihren Fahrzeugen sitzen, aber dann ist es zu spät“ (Cormack McCarthy, Kein Land für alte Männer, Rowohlt Verlag 2008, S. 278f.).

Eine Gesellschaft, die diese Dinge nicht nur zulässt, sondern verharmlost, sie gar als Begleiterscheinung von Individualität und Freiheit verteidigt, Toleranz dafür einfordert: Diese Gesellschaft geht schweren Zeit entgegen – oder ist schon mitten drin (Ludwigsburg, Königsallee, Freitag, 15.08.2025, 11:09).

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