Michael Rainer Hahn ist Autor im LOG_X Verlag. Sein Buch „Mit Konsequenz zur Exzellenz“ ist ein Manifest für Lean, für Wertschöpfungssysteme und für Veränderung. Es handelt definitiv von Dingen, die er versteht und die Teil seines Lebens geworden sind. Vorhang auf.
Wer kennt den Schurwald? Nun, der Schurwald ist ein Naherholungsgebiet östlich von Stuttgart, zwischen Neckar-, Fils- und Remstal gelegen, dörflich geprägt, aber mit schnellem Zugang zu den Industriezentren Mittelschwabens. Dort ist Michael Hahn in den 1970er und 1980er Jahren aufgewachsen. Gymnasium in Plochingen, Studium der Kunststofftechnik in Aalen, geschäftliche Stationen in Bad Boll und Köngen. Man könnte meinen, er sei kaum aus der schwäbischen Idylle herausgekommen. Aber dieser Eindruck täuscht. Beruflich führte ihn bereits sein erstes Projekt nach Brasilien. Dort war er im Auftrag eines Ingenieur-Dienstleisters an der Planung eines großen Automobilwerkes beteiligt. Für einen schwäbischen Hersteller, wenigstens das.
Fabrikplanung bedeutet nicht nur Arbeit am Computer oder auf dem Papier, sondern Einsatz vor Ort, bis zum Hochlauf der Anlagen im neuen Werk. Das ist eine Herausforderung und eine echte Probe für Belastbarkeit. Zumal dann, wenn das Ganze auf einem anderen Kontinent stattfindet, in einem Land, dessen Sprache hier kaum gelehrt wird. Eine Challenge, würde man heute sagen.
Zufall oder nicht, an der Werksplanung waren auch japanische Ingenieure beteiligt, die darauf achteten, dass die Auslegung und Realisierung der Anlagen den Prinzipien entsprach, die später als „Lean Production“ Furore machten. Eine bessere Schule konnte es kaum geben, vor allem nicht für einen angehenden Berater. Denn der nächste Schritt Michael Hahns war der in die Laufbahn eines Unternehmensberaters.
Martin Haas, Gründer und langjähriger Motor der Staufen-Akademie (später Staufen AG), wurde auf den jungen Fabrikplaner aufmerksam, man erkannte einander als „fachliche Brüder im Geiste“ – der Rest ist Geschichte. Unternehmensgeschichte der Staufen AG als einer führenden deutschen Lean-Beratung, Teil der Lebensgeschichte des Michael Hahn und ein wichtiger Teil der Geschichte meines eigenen Unternehmens. Wir haben mit der Staufen AG mehrere erfolgreiche Lean-Bücher gemacht, eines davon mit Michael Hahn als Mit-Autor. 2006, vor 20 Jahren. Seither kennen wir uns.
Im Kern des gemeinsamen Buches stand die Überlegung, wie man eine Hochleistungsorganisation aufbaut und zur kontinuierlichen Verbesserung befähigt. Zentraler Baustein ist dabei laut Michael Hahn die zielorientierte Führung und Motivation der Mitarbeiter (die damals noch so hießen). Die Führungskräfte sind Treiber des Verbesserungsprozesses, ihre wichtigste Aufgabe ist es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die diesen Prozess bestmöglich unterstützt. Die Transformation der Organisation in Richtung eines solchen „schlanken“ Wertschöpfungssystems ist nichts anderes als eine tiefgreifende Veränderung – die Führungskräfte müssen demzufolge auch und vor allem das Change-Management beherrschen.
Was soll ich sagen? Die Lean-Bücher waren nicht nur für uns ein Erfolg, sie markieren auch wesentliche Etappen bei der inhaltlichen Entwicklung von „Staufen“ – und im Werdegang der Autoren. Man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben und Michael Hahn wuchs zu einem Top-Berater heran, dessen Weg bis in den Vorstand des Unternehmens führte. Vorstand bei einer bekannten Spitzen-Beratung. Nicht schlecht, Herr Hahn.
Ich kenne einige Berater, die meisten davon sind glatt, dynamisch und tough. Motto: „Möge man mich hassen, wenn man mich nur fürchtet“. Michael Hahn wirkt und ist anders: Freundlich, geduldig, zugewandt. Fachlich über jeden Zweifel erhaben, praxiserprobt, mit soliden Kenntnissen davon, was Lean ist und wie es funktioniert. Nämlich vor allem als Führungskultur auf dem Weg vom Guten zum Besseren, wie gesagt. So habe ich ihn während der gemeinsamen Arbeit an unserem Buch erlebt und so sehe ich ihn heute, an einem sonnigen Februartag in Ludwigsburg. Wir haben uns im Verlag getroffen, zum Plaudern und zum Mittagstisch. Der Autor und sein Verleger, alles ganz entspannt.
Gehen wir ein paar Jahre zurück: Wer fähig und erfolgreich ist, bekommt mehr Verantwortung, wächst daran, entwickelt sich und bekommt noch mehr Verantwortung. Für große Projekte, Zahlen und Menschen. Das ist die Logik hinter den Geschichten von Wachstum und Beratungserfolg.
Doch das hat Schattenseiten. „24/7“ trifft nicht ganz zu, aber der Einsatz ist enorm. Und das Tempo. Und der Druck. Nicht jeder kommt damit klar. Schlaflosigkeit, verdrängte Sorgen, die Unfähigkeit, sich zu erholen. Das geht nicht lange gut, die Luft ist irgendwann raus, die Energie weg. Nichts geht mehr.
Ohne hier zu sehr in die Einzelheiten zu gehen: Zahlreiche Menschen haben das erfahren und waren dem Druck nicht mehr gewachsen. Diagnose Burnout. Dann ist guter Rat teuer, ein „weiter so“ ausgeschlossen.
Gut, wenn man Veränderung kann. Und die Chance zum Neustart bekommt.
„Up or out!“ – so wird in Beratungsgesellschaften oftmals Karriere definiert. Nicht so bei Staufen. Hier gab es für Michael Hahn die Option, nach Ablauf eines Vorstandsmandats wieder als Partner zu arbeiten und seinen Fokus auf die Entwicklung von Projekten und Kunden zu richten. Ein Mehrwert für das Unternehmen und für ihn persönlich. Win-win, sozusagen.
Nach seinem Wiedereinstieg in das aktive Beratungsgeschäft ergab sich zudem eine Möglichkeit, die wöchentlich Arbeitszeit etwas zu reduzieren. Hahn nutzte diese Chance in doppelter Hinsicht und begann parallel mit einer 12-monatigen Coachingausbildung, die ihm neue Perspektiven eröffnete.
Doch ein weiterer Change blieb nicht aus.
Der Verkauf der Staufen AG an den Accenture-Konzern wurde in der interessierten Öffentlichkeit ausführlich gewürdigt und muss hier nicht mehr im Detail beschrieben werden. Aber: Mergers and Acquisitions sind geradezu Paradebeispiele für komplexe organisatorische Transformationen. Veränderung überall, so ist das heute.
Unabhängig davon nutzte Michael Hahn eine Chance, die sich während seiner Coachingausbildung ergeben hatte. In deren Verlauf lernte er junge Leute kennen, die ihre berufliche Zukunft eigenverantwortlich gestalten wollten. Man tat sich zusammen und schlug neue Wege ein – als Team.
Life Kompass, so der Name der gemeinsamen Idee, hilft Menschen in Zeiten permanenter Veränderung, Orientierung zu finden, ihre Perfomance zu steigern, resilienter zu werden. Ich selbst habe schon mehrere Angebote des Life Kompass genutzt und davon profitiert. Vor allem: Resilienz und Achtsamkeit sind keine Esoterik, sondern Fähigkeiten, die man lernen und entwickeln kann. Ein wichtiger Schritt besteht darin, sich von vermeintlichen Zwängen zu lösen und aktiv an sich selbst zu arbeiten. Das macht fit für Veränderung.
Der Rest ist Coaching – und wer könnte das besser als Michael Rainer Hahn.
Veränderungsfähigkeit lernen und konsequent leben. So geht das.
